Alles rund um Neurodivergenz

  • Das Anderssein erlauben

    Das Anderssein erlauben.

    Zwischen der Sichtbarkeit, was ich nach außen zeige und dem Kern, wer ich wirklich bin.

    Die Angst, sich verletzlich zu zeigen und angreifbar dabei zu werden.

    Die Stimme zu erheben und das auszudrücken, was ich wirklich denke und fühle.

    Ungeschützt vom Schatten ins Licht und auch anderen eine Stimme zu geben, die ähnlich denken und fühlen wie ich.

    Zu sagen, dass wir auch ein Recht haben zu sein.

    Auch wenn es eben nicht der Norm entspricht.

    Anderssein macht Angst.

    Und doch macht es uns einzigartig.

    Weiter anpassen und eine Rolle spielen oder doch dich so zeigen, wie du wirklich bist?

    Roh. Verletzlich. Mit Ecken und Kanten. Ungeschliffen. 

    Ein Schatz für sich.

    Du kannst aufhören eine Rolle zu spielen.

    Du darfst deine Masken ablegen.

    Langsam.

    Zart.

    Sanft.

    Du darfst laut sein, mal leise. Mal emotional, mal still.

    Auch du verdienst es gesehen, gehört und verstanden zu werden.

    Einen Raum zu haben für dich.

    Für deine Welt.

    Deine Meinung.

    Deine Interessen.

  • Mein Leben zwischen Anpassung und Selbstaufgabe

    Ich spürte es schon als Kind instinktiv. Ich war anders.

    Es war täglich ein Leben zwischen Tarnung und Sichtbarkeit.

    Aber die meiste Zeit versuchte ich einfach unsichtbar zu sein.

    Ich lernte es früh: bloß nicht auffallen.

    Nicht meine Meinung äußern. 

    Lieber die anderen bestätigen – nicht aus der Reihe tanzen.

    So fiel es nicht auf, wenn ich vor mich hinträumte.

    Mir eigene Fantasiewelten mit Lego, mit die Sims oder in der Natur erschuf.

    Und manchmal auch nur auf dem Papier.

    Ich lernte, still zu sein.

    Zu beobachten. 

    Zu imitieren, was andere taten.

    Möglichst nicht laut zu sein.

    Zu gefühlsduselig. 

    Zu empfindlich. 

    Zu. Sensibel.

    Meine Ausdrucksform: malen.

    Beim Malen war ich frei und doch lange eingesperrt.

    Mein größter Wunsch dazuzugehören. 

    Ich schaffte es bis etwa zur 5. Klasse.

    Und doch im Kleinen fiel ich immer auf.

    Mich interessierte es nicht, ob Mädchen nur mit Puppen oder kein Fußball spielten.

    Ich spielte am Gameboy, sammelte Pokemonkarten und spielte trotzdem Lego.

    Ich passte irgendwie doch nie rein.

    Ich verstand die unsichtbaren, sozialen Regeln der Cliquen, der Kollegen und der Gesellschaft einfach nicht.

    Die Hölle auf Erden begann.

    Ich fiel immer mehr auf.

    Ich eckte an.

    Wurde ausgestoßen.

    Und doch versuchte ich es immer wieder: dazugehören.

    Erst viel später, mit Beginn meiner Selbständigkeit, vielen Ausbildungen und Gesprächen, lernte ich mich selbst kennen und erkannte: Ich muss mich nicht selbst aufgeben, um wer zu sein.

    Ich bin schon jemand. Jemand, der sensibel ist.

    Jemand, der empfänglich ist für Stimmungen.

    Jemand, die es schafft, wie ein Chamäleon zu agieren und doch endlich weiß, 

    dass sie Autistin mit ADHS ist.

    Eine Meisterin der Anpassung, um sich vor Überreizung zu schützen.

    Ich war nie zu viel.

    Ich war einfach nur unerkannt.

  • Ein Leben lang das Gefühl anders zu sein

    Ein Leben lang das Gefühl anders zu sein.

    Es nicht in Worte fassen können.

    Du fühlst dich fremd in dir.

    Du hast das Gefühl ein Chamäleon unter vielen Normalos zu sein.

    Du willst um jeden Preis dazugehören, aber intuitiv spürst du, du gehörst es nicht.

    Du strengst dich an.

    Du passt dich an.

    Du zeigst vollen Einsatz und trotzdem versagst du.

    Jedes Mal. Jeden Tag.

    Du bist erschöpft. Du kannst nicht mehr.

    Du willst nicht mehr.

    Du fühlst dich leer.

    Ausgebrannt.

    Du bist mutig und holst dir Hilfe.

    Alle sehen deiner Verzweiflung, aber keiner versteht,

    wie es in dir wirklich aussieht.

    Keiner kann dir wirklich helfen.

    So richtig.

    Alle sehen nur einen Teil von dir.

    Du lächelst, obwohl dir zum Heulen zu Mute ist.

    Du kämpfst. Machst. Tust.

    Aber am Ende zahlt es sich nicht aus.

    Du bist wieder nicht genug.

    Mit deinem Wissen.

    Deinen Stärken.

    Deine Schwächen übernehmen die Oberhand.

    Es ist mutig, die alten Pfade zu verlassen.

    Aber du spürst – es ist soweit.

    So kann es nicht mehr weitergehen.

    Wieder scheitern.

    Wieder aufgeben.

    Hilfe holen.

    Du bist erschöpft.

    Du siehst in den Spiegel und fragst dich selbst,

    wer du noch bist.

    Wer du jemals warst.

    Und wer du sein willst.

    Die erste Maske fällt.

    Dein Gegenüber erkennt dich.

    Dein Zustand bekommt einen Namen.

    Eine Diagnose.

    All das, was du bisher glaubtest über dich zu wissen,

    bekommt plötzlich einen neuen Sinn.

    Ein neues Verständnis.

    Für dein Umfeld hat sich nichts verändert.

    Aber für dich ändert sich der ganze Blick auf deine Welt.

    Auf deine Biografie.

    Es ist ein Schock. Eine tiefe Trauer. Ein Ankommen.

    Ein Verstehen.

    Ein Anerkennen, warum.

    Ein Ausatmen. Bei dir sein.

    Akzeptieren, was kommt und begreifen:

    Du gehörtest niemals zu der Welt, denn du bist anders als dein Umfeld.

    Du darfst dich zeigen in all deinen Facetten.

    Leben.

    Atmen.

    Du sein.

    Dich lieben und akzeptieren, wie du bist.

    Der Kampf um Akzeptanz hat ein Ende.

    Denn du erkennst dich selbst.

    Du spielst nicht mehr.

    Du bist.

    Sein.

    Einfach du.

    In all deinen Schwächen und auch Stärken.

    Lebendig. Außergewöhnlich.

    Du.