Alles rund um Neurodivergenz

Mein Leben zwischen Anpassung und Selbstaufgabe

Ich spürte es schon als Kind instinktiv. Ich war anders.

Es war täglich ein Leben zwischen Tarnung und Sichtbarkeit.

Aber die meiste Zeit versuchte ich einfach unsichtbar zu sein.

Ich lernte es früh: bloß nicht auffallen.

Nicht meine Meinung äußern. 

Lieber die anderen bestätigen – nicht aus der Reihe tanzen.

So fiel es nicht auf, wenn ich vor mich hinträumte.

Mir eigene Fantasiewelten mit Lego, mit die Sims oder in der Natur erschuf.

Und manchmal auch nur auf dem Papier.

Ich lernte, still zu sein.

Zu beobachten. 

Zu imitieren, was andere taten.

Möglichst nicht laut zu sein.

Zu gefühlsduselig. 

Zu empfindlich. 

Zu. Sensibel.

Meine Ausdrucksform: malen.

Beim Malen war ich frei und doch lange eingesperrt.

Mein größter Wunsch dazuzugehören. 

Ich schaffte es bis etwa zur 5. Klasse.

Und doch im Kleinen fiel ich immer auf.

Mich interessierte es nicht, ob Mädchen nur mit Puppen oder kein Fußball spielten.

Ich spielte am Gameboy, sammelte Pokemonkarten und spielte trotzdem Lego.

Ich passte irgendwie doch nie rein.

Ich verstand die unsichtbaren, sozialen Regeln der Cliquen, der Kollegen und der Gesellschaft einfach nicht.

Die Hölle auf Erden begann.

Ich fiel immer mehr auf.

Ich eckte an.

Wurde ausgestoßen.

Und doch versuchte ich es immer wieder: dazugehören.

Erst viel später, mit Beginn meiner Selbständigkeit, vielen Ausbildungen und Gesprächen, lernte ich mich selbst kennen und erkannte: Ich muss mich nicht selbst aufgeben, um wer zu sein.

Ich bin schon jemand. Jemand, der sensibel ist.

Jemand, der empfänglich ist für Stimmungen.

Jemand, die es schafft, wie ein Chamäleon zu agieren und doch endlich weiß, 

dass sie Autistin mit ADHS ist.

Eine Meisterin der Anpassung, um sich vor Überreizung zu schützen.

Ich war nie zu viel.

Ich war einfach nur unerkannt.

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